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Boje im Schlafrock

  • Autorenbild: Stephan
    Stephan
  • vor 2 Tagen
  • 3 Min. Lesezeit

Seit über drei Wochen sind wir jetzt unterwegs mit unserer "neuen" Ruby. Von Žut aus ging es weiter Richtung Süden, auf neue, noch nie besuchte Inseln wie Šolta oder die kleinen Pakleni Inseln vor Hvar. Immer mit gutem Wetter und schönem Wind. Ein Hoch auf das Vorsaison-Segeln, sind wir doch meistens alleine oder mit nur wenigen anderen Booten in wunderschönen Buchten. Je weiter südlich allerdings, desto mehr Segel-Traffic und Zuschauer bei diversen Manövern.


Wir haben unsere An- und Ablegemanöver inzwischen perfektioniert, ob an die Boje, vor Anker oder in der Marina. Ein über Bord gegangener Bootshaken (am ersten Tag in Umag) ist gefühlt jahrzehntelange Vergangenheit. Wir sind ein super abgestimmtes Team und wissen ohne grosse Worte, was wann zu tun ist - und was nicht! Umso spannender und unterhaltsamer ist es natürlich, den anderen Crews beim Anlegen zuzuschauen. So hatten wir diese Woche in einer Bojenbucht eine österreichische Crew, die mit 5 Mann am Bug stand und die Boje fangen wollte. Unverständlicherweise versuchen das mit meisten Boote jedoch mit dem Wind, also mit Fahrt, so dass ein nicht zu haltender Zug auf die Boje kommt, was unweigerlich zum "Bootshaken ins Wasser" führt. Das wirkliche Spektakel war aber der Ösi, der sich innert Sekunden alle Kleider vom Leib riss, eine Taucherbrille mit Schnorchel aufsetzte (was nackt schon lustig wirkt) und über Bord ins 17 Grad kalte Wasser sprang. Von seinen fünf Kollegen wurde er lautstark angefeuert und mal nach rechts, mal nach links geguided, bis er schliesslich den Bootshaken im Wasser schwimmend fand und unter Beifall zurück ins Boot brachte.

Oder gestern: ein schönes Segelboot mit einer Franzosen-Zweier Crew wollte an der Boje neben uns festmachen. Eigentlich ein gutes Manöver. Anlegen mit der ausgeklappten Badeplattform rückwärts zur Boje gegen den Wind. Er übergab ihr kurz vor Erreichen der Boje das Steuer. Sie fuhr gut an, er fing aufs erste Mal die Boje - dann gab sie aber weiter Gas statt abzubremsen. Er in einer Hand die Boje, in der anderen die Festmacherleine. Statt loszulassen, hielt er beide fest und flog mit voller Montur über Bord. Er klammerte sich an die Badeplattform und schrie sie an, die Badeleiter auszuklappen, was sie aber aufgrund eines Riesen Lachanfalls ob seines Überbordgehens nicht schaffte, woraufhin er, an der Plattform hängend vom Boot im Kreis mitgeschleift wurde. Ziemlich miese Stimmung anschliessend. Was für ein Schauspiel!!!!

Ihr Boot hiess "Piano", weshalb ich flugs unter Deck ging, mein tragbares Piano heraufholte und ihnen ein Ständchen gab!



Eine "Bojensache", die uns jedes Mal etwas Sorge bereitet, sind die häufigen Bojen mit langem Eisenring, an dem die Leine festgemacht wird. Wenn nämlich - und das in der Regel mitten in der Nacht - der Wind aufhört und kein Zug mehr auf der Bojenleine ist, schmuggelt sich die Boje leise und unbemerkt neben das Boot - und plötzlich macht es laute "Eisen-gegen-Rumpf-Geräusche". Bei einem komplett neulackierten Rumpf für den Gegenwert einer....... ist das natürlich ein Horrorzustand. Also haben wir ein "Boje-Einpack-Manöver" entwickelt, das sich "Boje im Schlafrock" nennt. Stephan hievt die schwere Boje mit dem Bootshaken so weit es geht aus dem Wasser und Kerstin verpackt den Ring mit Schaumstoff und/oder (je nach Boje) mit einer zusätzlichen alten Decke oder gar einer Feststoff Schwimmweste. Das Manöver ist körperlich anstrengend, zumal es wie gesagt meistens mitten in der Nacht stattfindet..... Am nächsten Morgen ist dann immer wieder so viel Zug auf der Leine, dass die einzige Möglichkeit, den Schlafrock zu entfernen, ein Schwumm zur Boje ist (wir sind zu faul, das Schlauchboot jedes Mal aufzupumpen). Aber was die Ösis können, können wir schon lange!



Der tägliche Wetterbericht ist ein weiterer fester Bestandteil unserer Reise. Wir nutzen verschiedene Wetter Apps, wobei sich "Windy" als die wirklich zuverlässigste herausgestellt hat. Jetzt im Frühjahr ist das Wetter noch recht unbeständig. Wann immer Windy unseren Bereich auf "rot”stellt, müssen wir uns einen Plan B zurechtlegen. So mussten wir in der Marina Milna auf der Insel Brač drei Nächte starke Bora mit über 30Kn abwettern. Und wie wir es genossen haben! Ein wunderschönes kleines, gechilltes Örtchen. Wir bekamen in der sehr engen Marina einen Platz direkt super nah zur Stadt zugewiesen zwischen einer finnischen und einer ungarischen Crew. Die Finnen bestaunten direkt unser Boot und identifizierten es sofort als eine "Sparkman & Stephens". Ich glaube, in Finnland fahren die meisten S&S rum - zumindest nach der Liste der S&S Association.

Die Ungarn hingegen waren eine sympathische mittelalterliche Jungs-Crew, die seit fast 20 Jahren jedes Jahr auf Törn geht. Ihre Charteryacht hatte ein paar technische Probleme, worauf ich mit gutem Schweizer Werkzeug aushelfen konnte. Als Dank luden sie uns am Abend zu einem köstlichen selbstgemachten Ungarischen Gulascheintopf ein.

Solche kleine Geschichten machen doch das Seglerleben aus!


 
 
 

2 Kommentare


andreas.antonini
vor einem Tag

Hallo ihr zwei Segler.... besser gesagt eingespieltes, erfahrenes und routiniertes Segler Team 👍

Habe euer erstes Mail versehentlich gelöscht und gestern ein Remember herhalten. Nun bin ich

auch dabei, eure tollen Erlebnisse zu lesen und natürlich zu Kommentieren. 😉 Bin noch am durchlesen

und schmunzeln 😂 ihr müsst nicht stressen mit der Rückkehr, bei uns hat er die ganze Woche nur Regenschauer angesagt. 😓 geniesst euer Törn und bis bald... 👋 Andy + Patricia


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Stephan
Stephan
vor 20 Stunden
Antwort an

Hi Andy, das freut uns! Ja, es gibt wirklich immer was zu berichten, wenn man so unterwegs ist!

Liebe Grüsse

S & K

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