
Rauschefahrt über den Kvarner
- Stephan

- vor 3 Tagen
- 2 Min. Lesezeit
Früh um 7.00 klingelt der Wecker. Wir wollen früh los, gilt es doch heute von Pula in Istrien aus über die Kvarner Bucht die Insel Unije anzusteuern. Es ist tüchtig Wind angesagt, glücklicherweise aus der richtigen Richtung (schräg von hinten), so dass wir gut vorankommen sollten. Vorsorglich reffen wir in der Bucht von Pula die Segel frühzeitig und laufen dennoch mit ordentlicher Geschwindigkeit die istrische Küste entlang. Ein Blick zurück zur imposanten römischen Arena aus dem 1. Jahrhundert und schon bald sehen wir die Südspitze Istriens vor uns.
Das Wasser wird kabbeliger und der Wind nimmt zu. Der Skipper gibt das Kommando: "Volles Ölzeug und Schwimmwesten, Sicherheitsgurte bereit halten". Ruby ist in ihrem Element. Mit doppelt gerefften Segeln machen wir trotzdem teilweise 6-7 Knoten Fahrt. Der neue Autopilot arbeitet prima und hält sehr gut Kurs. Wir müssen uns erstmal wieder an anspruchsvolleres Segeln gewöhnen.
Als der Wind etwas dreht und nicht mehr so stark von hinten kommt, ist das Boot trotz doppelten Reffs kaum noch zu halten. Also weitere Segelverkleinerung. Das geht so über mehrere Stunden auf dem offenen Meer und ist körperlich sehr anstrengend - aber auch phantastisch schön. Wir sehen weit und breit kein anderes Segelschiff - was einen immer ein wenig stutzig macht....
Wir dachten eigentlich immer, in der Adria gebe es keine Wellen.... aber wir hatten sicherlich gute 2-3m hohe Wellen und das beste war, dass Kerstin das Schiff bravourös und mit Vergnügen gesteuert hat!

Bald taucht die Insel Unije vor uns auf und im Hintergrund die Inseln Cres und Losinj - unser Hometurf sozusagen. Hier kennen wir uns aus. Wissen auch, dass wenn wir um die Nordspitze von Unije segeln, häufig ein Düseneffekt noch stärkeren Wind erzeugt. Sei's drum, wir gehen oben rum, da wir in einer der nördlichen Buchten ankern wollen.
Kaum sind wir um die Insel rum, erwischt es und noch einmal "voll". Ich kann mich nicht erinnern, dass ich auf unserem Schiff schon einmal das Kommando "Ease the main" geben musste - sozusagen die letzte Massnahme, um eine zu starke Krängung des Schiffes zu vermeiden, bevor es auf der Seite liegt.
Bordmatrosin Kerstin reagiert aber vorbildlich und schon richtet sich das Schiff wieder auf. So hangeln wir uns "vorsichtig", längst in die Sicherheitsleinen eingepickt, von Manöver über Manöver (zahlreiche Halsen) Richtung Ankerbucht. Als wir dort ankommen und als einziges Boot mitten in der schönen Bucht den Anker fallen lassen, sind die körperlichen Anstrengungen bei einem Glas Champagner und schwäbischen Maultaschen schnell vergessen. Wir feiern meinen Geburtstag und die gelungene Überfahrt mit Ankunft in unserem "Heimrevier" und fallen bald müde ins Bett.




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