
Kroatische Kulinarik versus Kost aus der Kombüse
- Kerstin

- vor 1 Tag
- 3 Min. Lesezeit
Falls wir es noch nicht genug betont haben: wir lieben unser adriatisches Segelrevier in Kroatien. Die Vielfalt der unzähligen Inseln mit ihrer Vegetation, Ankerbuchten mit fantastisch klarem Wasser, Bojenfelder und Marinas, Winde aus wechselnden Richtungen (oft aus der falschen) und reichlich „Schlupflöcher“, um sich bei Sturm verkriechen zu können. Es duftet nach Pinien, das Wasser riecht manchmal nach Melone, und wenn man weiss, wann und wohin die Charterarmadas unterwegs sind, gelingt es trotzdem meist, den Massen zu entfliehen.
Was wir nicht ganz so in unser Herz geschlossen haben, ist die kroatische Küche. Vermutlich habe ich schon mal erwähnt, dass alles hier sehr fleischlastig ist und dafür umso beilagenärmer. Natürlich gibt es Kartoffeln in allen Variationen (meist in Form von Pommes), aber Gemüse kennt man nicht? Wächst hier nicht? Wird Touristen vorenthalten ? Das Standardgemüse besteht aus einem Kartoffel-Mangold-Stampf. Hier und da kann man Grillgemüse ergattern, und der gemischte Salat enthält grüne Blätter, Tomaten und Weisskohl. Ohne Dressing. Dazu gibt es Weinessig und Öl. Immer und überall. Man muss zugestehen, dass ein feines Lammgericht oft lecker ist, und auch das einheimische Wildschwein ist gut. Ansonsten muss man sich an Fisch halten, dessen Varietät in der Regel Thunfisch, Dorade und Wolfsbarsch umfasst. Seafood und Muscheln kann man ebenfalls in guter Qualität ergattern. Allerdings verhalten sich die Preise in den Restaurants umgekehrt proportional zu den ersegelten Breitengraden (je südlicher, desto unverschämt teurer), so dass das Preis-Leistungsverhältnis dann echt nicht mehr stimmt.
So begibt es sich häufig, dass wir uns selbst verpflegen. In unserer Kombüse gibt es einen kardanisch aufgehängten zweiflammigen Spirituskocher , der uns seit all den Jahren zuverlässige Dienste leistet. Auf einen Backofen haben wir bewusst auch beim Refit verzichtet (haben wir bis jetzt nicht vermisst, brauchen wir also nicht wirklich). Zudem wollten wir nicht auf Gas umrüsten, weil wir, kurz gesagt, das Risiko in die Luft zu fliegen vermeiden wollen.
Die meisten unserer Segelfreundinnen und -freunde, die unterwegs Schweinebraten und selbst gebackenes Brot aus der Röhre zaubern, schütteln den Kopf über unsere „Fonduefunzel“, deren Flämmchen Stunden braucht, um Nudeln zum Kochen zu bringen. Aber es funktioniert bestens! Die Brenner hüten wir wie unseren Augapfel, denn es gibt keine mehr zum Nachbestellen, und zwischendurch muss man halt mal Spiritus nachfüllen.
Die meisten Lebensmittel nehmen wir aus der Schweiz mit. Unsere Achterkajüten dienen als Vorratslager für Pasta, Reis, Konserven und Saucengrundlagen aller Art. Eine Kiste enthält nur Frühstückszubehör, in einer haben wir diesmal die besonderen Schmankerln für unsere beiden Geburtstage verstaut: im Wesentlichen Champagner und Schokoladenkuchen.
In den Netzen an der Salondecke baumeln Zucchetti, Tomaten, Paprika und sonstiges Gemüse, wenn wir welches erstehen konnten, sowie Früchte aller Art, während Zwiebeln, Knoblauch und Brotiges ein eigenes Staufach haben.
Die Rubyküche ist für die erforderlichen Abläufe perfekt angeordnet. Mit wenigen Handgriffen lassen sich Arbeitsflächen herunter- oder Spülbecken aufklappen. Der Kühlschrank ist eher eine Kühlbox, die nur von oben zugänglich ist. Mir obliegt es, ihren Inhalt möglichst in stapelbaren Tupperdosen tetrismässig so anzuordnen, dass man nicht alles komplett ausräumen muss, um an die Butter zu gelangen, und gleichzeitig eine optimale Raumausnutzung zu gewährleisten. Sonst kann es vorkommen, dass der wiederverschliessbare Parmesan nicht ordnungsgemäss wiederverschlossen wurde und sich seinen Weg in alle Kühlschrankritzen bröselt.

So schnippelt und rührt immer eine(r) von uns die Zutaten zusammen, während der oder die andere hinterher fürs Klar-Schiff-Machen zuständig ist. Geschirrspülen macht beinahe Spass, seit wir warmes Wasser an Bord haben! Gespeist wird eigentlich fast immer an Deck, wenn es nicht in Strömen regnet. Und ein schmackhaftes selbstgekochtes einfaches Mahl im Cockpit des eigenen Schiffes in einer Ankerbucht mit türkisblauem Wasser und Pinienduft ist ehrlich gesagt nur schwer zu toppen!

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