
Ruby - ein epischer Refit und die letzten 5%
- Stephan

- vor 12 Stunden
- 3 Min. Lesezeit
"Mist, die Holepunkte für das Vorsegel lassen sich nicht verstellen. Wahrscheinlich ist der neue Decksbelag einen halben Millimeter zu hoch geworden. So können wir morgen nicht lossegeln....". Doch alles der Reihe nach.
Mitte 2024 flatterte ein Brief ins Haus, der mitteilte, dass bei Stephan in 2025 eine Lebensversicherung fällig werde (an die wir eigentlich gar nicht mehr gedacht haben). Das Gute daran, wenn einem eine Lebensversicherung ausbezahlt wird, ist ja die Gewissheit, überlebt zu haben. Dann sollte man das auch feiern und sich etwas dafür gönnen! Nach kurzer Überlegung herrschte Einigkeit, unserer Ruby einen umfassenden Refit zukommen zu lassen. Also gingen wir auf die Suche nach einer hochprofessionellen Werft. Gar nicht so einfach in Kroatien..... Unsere Abzocker-Ganoven in der Marina Cres kamen sicher nicht in Frage. Nach einiger Recherche fand Kerstin eine auf den ersten Anschein sehr gute Werft in Portorož, Slowenien. Nach vielen Telefonaten und zwei sehr vielversprechenden Besuchen vor Ort war klar: da wollen wir hin! Die beiden jungen Werftbetreiber und die Werft sind super. Ein Termin für Mitte April wurde abgemacht (da sollte ja auch die Lebensversicherung kommen) und wir waren schon in freudiger Erwartung.
Dann aber ab Januar komplette Funkstille. Kein Kontakt mehr mit der Marina. Niemand erreichbar... irgendwann im März stellte sich dann heraus, dass der eine Werftchef schwerst krank geworden und der andere ob dieses tragischen Umstandes einen Burnout hatte.
Also Alles zurück auf Los!
Nach intensiven Google-Suchen fanden wir dann den Shipyard Marina Sant'Andrea zwischen Triest und Venedig, sehr idyllisch am Flusslauf hinter einer grossen Lagune gelegen. Unser Profi-Skipper Freund Manfred kannte diese Werft und lobte die Qualität deren Arbeit. Wir segelten Ruby im Herbst 2025 um Istrien herum nach Italien und gaben sie dann in die Hände von Alessandro und seiner Crew, die auf Segelklassiker, insbesondere auf Swans spezialisiert ist (für die Nicht-Segelkenner: eine Swan ist ungefähr so wie Mercedes/BMW Oberklasse mit Tendenz zu eher Bentley...).
Was macht man bei so einem Refit dann:
Neuer Decksbelag - nach vielen Diskussionen mit der Werft stimmten diese einem künstlichen Teakdeck zu. Wir wollten kein Echtholz mehr, zum einen aus ökologischen Gründen, zum anderen wegen der leichteren Pflege
Neue Innenverkleidungen an den Wänden und in Schränken
Neuer Dachhimmel
Neue Ankerwinch plus Kette
Neue Autopilotanlage inklusive Bordinstrumente
Neue Bordtoiletten
Neue Sprayhood und Cover
Bisschen Schnickschnack hier und da
Dann gab ich noch den Auftrag "die eine oder andere alte elektrische Leitung zu entfernen". Und sagte noch den vielleicht missverständlichen Satz: "bitte behandeln Sie unser Boot so, wie wenn es Ihres wäre".....
Tja, wer sonst auf "Bentleys" spezialisiert ist, der entfernt dann halt die gesamte Bootselektrik und baut komplett für alles neue Leitungen ein.


Wenn der erste Anruf der Werft mit: " Mr. Schumacher, we have a problem", beginnt, steigt die Nervosität und Spannung unmittelbar deutlich an. Vom defekten Turbolader am Motor bis zur besagten Elektrik stellte sich beim ungefähr fünften "We have a problem - Call" heraus, dass unsere lieben Kroaten beim Einbau des Fäkalientankes einfach mal einen Schlitz über einen Meter in das Gelcoat des Bootes geschnitten hatten, um den Tank einzupassen..... "This is structural damage of the boat, Mr Schumacher, we have to built new structure"....
Und so wurde die mit 7 Monaten als sehr üppig bemessene Zeit Tag für Tag knapper. Stephan musste viele Male nach Italien fahren, um die "Probleme" vor Ort zu besprechen und eine Lösung zu finden.
Derweil schritten die Decksarbeiten sehr positiv voran.
Und weil das neue "Teakdeck" so unglaublich schön geworden ist, passte die alte Rumpflackierung überhaupt nicht mehr dazu - und gerade darauf ist die Werft natürlich auch spezialisiert. Das Ergebnis war wirklich sensationell, mit der Folge, dass unsere 40jährige Decks- und Cockpitlackierung auch komplett neu gemacht werden musste - um natürlich den Gesamteindruck nicht zu verhunzen.....


Langer Rede kurzer Sinn: am Ende wurde aus einem geplanten Refit ein "epischer" und aus unserer über 40jährigen Ruby in 7monatiger Arbeit ein fast neues Schiff (und die Lebensversicherung reichte natürlich bei weitem nicht).



Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen! Sie ist wieder eine richtige Schönheit!


Aber die letzten 5% fehlen dann halt doch immer.
Wir sind jetzt seit Freitag in der Werft, haben das Schiff übernommen, nochmals alle unfertigen Dinge erledigen können und wollten am Montag von hier auf 5wöchigen Törn durch die Adria ohne festes Ziel cruisen. Aber dafür muss nun zunächst das Problem mit den Holepunkten für das Vorsegel gelöst werden.....
Hoffentlich bald mehr über den Törn auf diesem Kanal.



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