
Wir verlassen Cres…
- Kerstin

- 2. Sept.
- 4 Min. Lesezeit
Mehr als 10 Jahre lang war die ACI-Marina Cres unser Heimathafen. Die Betreiber gelten nicht als besonders kundenorientiert, die Preise für einen Liegeplatz steigen von Jahr zu Jahr, während der gebotene Service sich nach und nach verschlechtert. Wir gehören aber nicht zu denen, die ständig darüber lamentieren, denn wir sind immer noch überzeugt, trotz allem in der schönsten Marina Kroatiens zu liegen! Hier wollen wir sein, hier gefällt‘s uns am besten.
Dennoch haben wir -mit einem komischen Gefühl in der Magengegend- den Liegeplatz gekündigt und sind nach Italien aufgebrochen.
Nein, es gibt keine Zusammenführung der kleinen und der grossen Sparkman&Stephens! Wir wollen Ruby einem ausgiebigen Refit unterziehen und haben uns für eine Marina in Italien (westlich von Triest) entschieden, die auf die Renovierung von alten Yachten spezialisiert ist. Aus der Seglerwelt haben wir nur Gutes über die Arbeit dieser Werft gehört, so dass wir nun einen Überführungstörn an der istrischen Westküste entlang bis in die Marina Sant‘Andrea planen. Von ACI Cres haben wir für 10 Jahre Treue immerhin einen Gutschein für drei Freinächte in ACI-Marinas unserer Wahl erhalten, die wir gerne auf dem Weg einlösen möchten.
Wir verabschieden uns per Handschlag von unserer treusorgenden Rezeptionistin, was ein komisches Gefühl hinterlässt. Wir kommen nächstes Jahr wieder, beteuern wir zwar, aber es fühlt sich trotzdem wie ein Abschied an.
Im Marinalädchen wird ein letztes rundes Brot gekauft, dann sagen wir auch dort tschüss. Unsere langjährigen Stegnachbarn treffen wir gar nicht mehr alle an, aber wir wissen ja, dass wir nicht aus der Welt sind.
So laufen wir bei bedecktem Himmel aus Cres aus, zum letzten Mal für längere Zeit. Setzen noch im Hafenbecken das Gross und richten den Bug auf die Südspitze Istriens. Mit achterlichem Wind können wir unter vollem Tuch wunderbar segeln und legen etwa 30 sm bis zum Bojenfeld von Soline zurück, wo wir lässig eine Boje angeln und gut geschützt die für den Folgetag angesagte heftige Bora abzuwettern gedenken. Wir, insbesondere ich mit meinen Vorbehalten gegenüber Istrien, sind positiv überrascht von der weitläufigen Bucht mit ihren bewaldeten Ufern und den grosszügig verteilten Bojen, die von guter Qualität zu sein scheinen. Nur das Wasser ist halt nicht so schön klar, und es gibt reichlich kleine glibberige Quallen, die den Schwimmspass ein wenig trüben.

In der Nacht beginnt die Bora bereits ordentlich zu pusten, aber wir, ganz vorbildliche Seemannschaft, haben das Schiff am Abend sturmsicher gemacht und können daher gut schlafen. Der ganze nächste Tag bringt tüchtigen Wind, so dass wir auf einen Landgang mit dem neuen (!) Dinghy verzichten. Wir beobachten amüsiert, wie sich am Badestrand ein riesiger pinker Flamingo in die Luft schwingt und von den Windböen übers Wasser davongetragen wird. Sein jugendlicher Besitzer versucht ihn schwimmend wieder einzufangen, aber jedesmal, wenn er ihn fast schnappen kann, weht der nächste Windstoss den Vogel ein Stück weiter. Am Ende kann der Ausreisser dingfest gemacht werden , aber der junge Schwimmer ist ganz schön aus der Puste!

Am Abend frage ich den jungen Abkassierer auf Kroatisch, ob es Rabatt für die zweite Nacht gäbe, aber er geht leider nicht darauf ein. Stephan gibt ebenfalls seine Kroatischkenntnisse zum Besten und lobt die Grösse und Schönheit der ortsansässigen Möwen. Auch das entlockt dem Bezahlmann nur ein undefinierbares Brummen.
Das Huhen der Eintonvögel und das Wummern der Bässe aus der Strandbar lullen uns in den Schlaf.
Tags darauf soll es südliche Winde geben, die uns zum nächsten Etappenziel führen:Rovinj. Dort wurde von ACI vor ein paar Jahren eine selbsternannte Luxusmarina gebaut, in der Boote unter 50 Fuss Länge eigentlich nichts zu suchen haben, so hört man. Die Preise für eine Übernachtung sind entsprechend happig: für Ruby werden pro Nacht über 200€ verlangt! Da Rovinj aber ein sehenswertes Städtchen ist, lassen wir uns natürlich zwei Gratisnächte in der Luxusmarina nicht entgehen 😎. Wir haben bereits vorreserviert und sind daher in punkto Ankunftszeit nicht unter Druck.
Zu unsere Überraschung entpuppt sich der Südwind als Nordwest, der ab Höhe der Brijuni-Inseln mit 10-15 kn weht. Wir motoren noch an den Inseln vorbei, können aber auch durchs Fernglas keine Zebras oder Elefanten sehen, die dort herumlaufen sollen. Kein Witz!
Ruby darf also wieder segeln, sicherheitshalber im 1. Reff. Wir kreuzen auf und machen ordentlich Fahrt. Für mich trotz der häufigen Wenden ein grösserer Spass als Vorwindkurs…!
Wir nähern uns Rovinj und müssen höllisch aufpassen, da hohes Verkehrsaufkommen herrscht. Segler, Fischer, Ausflugsboote und Fähren sind unterwegs. Schnell werden nochmals die Vorfahrtsregeln repetiert. Andere Kapitäne tun das offensichtlich nicht, so dass wir gefühlt im Slalom zwischen den Booten durchfahren. Mehrmals müssen wir wegen zu viel Gegenverkehr unseren Kurs ändern oder zusätzliche Wenden fahren. Das Vergnügen kommt aber nicht zu kurz, und Ruby macht im 1. Reff zeitweise 6kn Fahrt.

Am späten Nachmittag laufen wir in der Marina Rovinj ein, wo wir von einem freundlichen Marinero bereits erwartet werden. Stephan krönt den Segeltag mit einem tadellosen Anlegemanöver, so dass das Manöverbier umso besser schmeckt! Aus dem Cockpit blicken wir auf die bekannte Altstadt von Rovinj, die malerisch auf einer Halbinsel thront.
Die Marina ist nicht besonders gross, und wir sind fast ein wenig enttäuscht, dass wir nur wenige Luxusyachten zu sehen bekommen. Klar, einige dicke Motoryachten liegen da und werden den ganzen Tag von der Crew gewienert, während die Eigner Champagner schlürfen, aber die Dimensionen der Segelyachten sind überschaubar. Allerdings trägt man die Nase etwas weiter oben als andernorts und als Dame mindestens ein Louis-Vuitton-Täschchen über der Schulter. Die Sanitäranlagen sind modern und optisch ansprechend, aber auch hier schert sich der Schwarzschimmel einen feuchten Kehricht drum, dass das eine Luxusmarina ist. Und es gibt nicht mal einen Föhn!
Nach dem Segeltag sind wir recht ermattet und entschliessen uns nur noch für einen kurzen Spaziergang, der uns in ein nettes Restaurant direkt am Hafen mit tollem Blick auf Stadt und Sonnenuntergang führt. Wir ergattern einen der letzten Tische und geniessen ein ausgezeichnetes istrisches Pastagericht. Für morgen steht dann die Stadtbesichtigung auf dem Programm.




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